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Mobiler Dienst am Landesbildungszentrum für Blinde

Schülerinnen und Schüler mit hochgradiger Sehbehinderung oder Blindheit können an allgemeinbildenden Schulen wohnortnah mit gleichen oder unterschiedlichen Leistungsanforderungen inklusiv beschult werden.

Schülerinnen und Schüler unter der Bedingung von Blindheit/hochgradiger Sehbehinderung werden zieldifferent unterrichtet, wenn ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung in den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung oder Lernen festgestellt wurde.

Wenn Schülerinnen und Schüler lernzielgleich unterrichtet werden, müssen sie vergleichbare Lernanforderungen wie ihre sehenden Mitschülerinnen und Mitschüler erfüllen. Aufgrund des Unterstützungsbedarfes im Schwerpunkt Sehen ist allerdings ein Nachteilsausgleich zu gewähren.

Blinden- und Sehbehindertenlehrerinnen und -lehrer des Mobilen Dienstes am Landesbildungszentrum für Blinde unterstützen die Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und die Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen.

Die Aufgaben des Mobilen Dienstes beinhalten die folgenden Bereiche:

  • Diagnostik des funktionalen Sehvermögens
  • Individuelle Förderung und Beratung der Schülerin/des Schülers in der Schule wie auch zuhause
  • Einweisung in die speziellen Arbeitsmittel, Arbeitstechniken und Schriftsysteme sowie ggf. die Schulung der visuellen Wahrnehmungsfähigkeit
  • Unterrichtsbegleitung, Gestaltung von Fördermaßnahmen sowie Erstellung von Förderplänen in Kooperation mit den Regelschullehrerinnen- und lehrern
  • Abklärung des Nachteilsausgleiches
  • Organisation und Erstellung von blinden- und sehbehindertenspezifischen Arbeitsmitteln und Materialien für den Unterricht
  • Beratung bei Anträgen an Kostenträger, bei der Auswahl von Hilfsmitteln und bei der Arbeitsplatzgestaltung
  • Kooperation mit allen therapeutischen, medizinischen und pflegerischen Diensten
  • Planung und Durchführung von unterrichtsübergreifenden Angeboten für Schülerinnen und Schüler
  • Kontakte und Kooperation mit Institutionen des Blindenbildungswesens


Grundlage der integrativen Beschulung

Grundlage ist das Niedersächsische Schulgesetz (NSchG), § 4:

„Die öffentlichen Schulen ermöglichen allen Schülerinnen und Schülern einen barrierefreien und gleichberechtigten Zugang und sind damit inklusive Schulen. Welche Schulform die Schülerinnen und Schüler besuchen, entscheiden die Erziehungsberechtigten (§ 59 Abs. 1 Satz 1).

In den öffentlichen Schulen werden Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam erzogen und unterrichtet. Schülerinnen und Schüler, die wegen einer bestehenden oder drohenden Behinderung auf sonderpädagogische Unterstützung angewiesen sind, werden durch wirksame individuell angepasste Maßnahmen unterstützt; die Leistungsanforderungen können von denen der besuchten Schule abweichen. Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung kann in den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Sprache, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Sehen und Hören festgestellt werden.“


Schritte zur inklusiven Beschulung blinder und hochgradig sehbehinderter Schüler

  • Feststellung eines Bedarfs an sonderpädagogischer Unterstützung mit dem Förderschwerpunkt Sehen beantragen:
  1. durch die Schule, die die Schülerin oder der Schüler besucht oder an der das Kind zur Einschulung angemeldet wird, oder
  2. durch einen Antrag der Erziehungsberechtigten bei der zuständigen Schulbehörde oder direkt an das LBZB.

Nach Abschluss des Verfahrens zur Feststellung eines Bedarfs an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Sehen mit dem Ziel einer Beschulung in einer allgemeinbildenden Schule sollte unverzüglich eine Unterrichtsassistenz beim zuständigen Sozialamt sowie die erforderliche sächliche Ausstattung für die Schülerin oder den Schüler weiterhin für den Lehrerarbeitsplatz der Lehrkraft des Mobilen Dienstes beantragt werden.

Arbeitsplatzausstattung einer/eines inklusiv beschulten Schülerin/Schülers mit Blindheit/hochgradiger Sehbehinderung

 

  1.  Erstausstattung zum Zeitpunkt der Einschulung

    • Regal für Punktschriftbücher, Ordner, Bastelmaterial u.a.
    • Zeichenbrett und geeignetes Zubehör wie Zeichenfolien und tastbares Lineal etc.
    • Diktiergerät
    • Materialien für den schriftsprachlichen Anfangsunterricht
    • Blindenspezifische Fördermaterialien, div. Lernspiele – Lesebücher - Tastbilderbücher
    • Selbstklebende Folie
    • Markierungspunkte
    • Gymnastikball (Klingelball)
    • Punktschriftmaschine
    • Punktschriftpapier
  2. Blinden- und sehbehindertenspezifischer Schüler PC-Arbeitsplatz

    In der Grundschule und in den weiterführenden Schulen wird folgender PC-Arbeitsplatz erforderlich:

    • Laptop
    • Braillezeile
    • Software (Textverarbeitung und Braillezeilensteuerung, Sprachausgabe)
    • Einweisung, Installation

    Zu Hause:

    • PC
    • Braillezeile
    • Software (Textverarbeitung und Braillezeilensteuerung, Sprachausgabe)
    • Einweisung, Installation
    • Evtl. Schwarzschriftdrucker
    • Evtl. Scanner
    • Evtl. Punktschriftdrucker
  3. Arbeitsplatz für die Lehrkraft des Mobilen Dienstes (PC, Scanner und Schwarzschriftdrucker stellt das LBZB zu Verfügung)

    • Quellfuser für taktile Abbildungen, Schwellpapier
    • Punktschriftdrucker
    • Punktschriftpapier
    • Kopierpapier
    • Büromaterialien wie Tesafilm, Schere, Büroklammern u.a.
  4.  Sonderfall

    Sollte die Schülerin/der Schüler nicht ausschließlich auf die Brailleschrift angewiesen sein, so ist folgende Ausstattung zusätzlich erforderlich:

     

    • Bildschirmlesegerät mit Tafelkamera
    • Arbeitsplatzleuchte für den Nahbereich
    • neigbarer Tischaufsatz oder höhenverstellbarer Tisch mit neigbarer Arbeitsplatte
    • PC/Laptop (Tastatur mit großer Beschriftung und je nachdem mit oder ohne Braillezeile)
    • Vergrößerungssoftware und je nachdem mit oder ohne Software für die Braillezeilensteuerung, Sprachausgabe
    • Einweisung, Installation
  5. Fortlaufende Kosten pro Schuljahr

    (Wartung, Reparatur, aktuelle Software, Punktschriftpapier und verschiedene Folien, div. Kleinmaterial)

    Hinweis:
    Sämtliche Anschaffungen sollten mit der zuständigen Lehrkraft des Mobilen Dienstes ausführlich besprochen werden, da diese die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schüler unter der Bedingung von Blindheit/hochgradiger Sehbehinderung kennen und im Hinblick auf geeignete Hilfsmittel stets auf dem aktuellen Stand sind.

 

 

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