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Seit 50 Jahren die Brücke zur Inklusion

Aus der Zeitschrift: gemeinsam; Ausgabe 4/2013; S. 9
Rubrik: Aktuell

Blinde Menschen in Deutschland haben nicht viele Fachzeitschriften, die sie über ihre spezifischen Bedürfnisse informieren. Eine Zeitschrift speziell für Jugendliche mit Tradition und Zukunft ist "Die Brücke". Ihren Werdegang schildert Dr. Franz-Josef Beck, Lehrer und Pädagogischer Leiter der Medienzentrale am Landesbildungszentrum für Blinde in Hannover-Kirchrode. Im folgenden Text beschäftigt er sich auch mit den Zukunftsperspektiven dieses Blindenmediums.

Die Zeitschrift "Die Brücke - Arbeitsgemeinschaft Jugendschrifttum für Blinde" feiert in diesem Jahr ihr 50- jähriges Bestehen. An dieser Stelle soll ein kurzer historischer Rückblick über die Entstehung und das Ziel der Zeitschrift gegeben werden. Leider sind keine Originaldokumente aus der Entstehungszeit mehr vorhanden. Es kann nur aus der Erinnerung von unter anderem dem letzten Geschäftsführer G. C. Althans und aus mündlichen Überlieferungen die Entstehung der Brücke nachvollzogen werden.


Spektrum von Politik bis Sport

Als im Jahre 1963 der Verein zur Förderung der Blindenbildung von 1876 (VzFB) seine Arbeit im neuerbauten Vereins- und Betriebsgebäude in der Bleekstraße in Hannover aufnahm, wurde zwischen dem damaligen Bundesministerium für Familie, dem Deutschen Blindenverband (DBV), der Katholischen Kirche und der Evangelischen Kirche das Erscheinen der Jugendzeitschrift "Die Brücke" vereinbart und umgesetzt.
Ziel war eine Jugendzeitschrift ausschließlich in Papierform und in Brailleschrift, die von blinden Jugendlichen eigenständig inhaltlich gestaltet werden und monatlich erscheinen sollte. Inhaltlich sollten aktuelle Themen wie Politik, Kultur, Musik, Sport und andere Bereiche veröffentlicht werden, die für die junge Punktschriftleserschaft nicht so einfach zu bekommen sind. Das Internet gab es zur Entstehungszeit der "Brücke" nicht, wohl aber das Interesse und das Recht der blinden Jugend an Informationen zu aktuellen Themen. Das Projekt wurde mit Erfolg umgesetzt. Die Themen, von Jugendlichen ausgewählt und für ihre Leser aufbereitet, und die Erscheinungsweise sind bis heute geblieben. Rund 20 Jahre lang wurde "Die Brücke" auch in Schwarzschrift veröffentlicht. Dies musste leider aus Kostengründen eingestellt werden.


Jugendliche Redakteure

Finanziert wird die Brücke immer noch zum großen Teil vom Kinder- und Jugendplanprogramm des Bundes (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und durch die Abonnenten. An dieser Stelle möchte ich im Namen der blinden Leserschaft herzlich den Unterstützern danken, ohne die es diese Zeitschrift nicht geben würde. Die beiden Kirchen waren im eigenen Interesse und mit eigenen Themen in der Zeitschrift vertreten, zogen sich aber circa 2002 inhaltlich und finanziell zurück.

Die organisatorische und redaktionelle Arbeit wurde von Beginn an ehrenamtlich getätigt; die jugendlichen Redakteure bekommen für ihre Beiträge nur eine geringe Aufwandsentschädigung.

Die Gesamtverantwortung für das Erscheinen und den Inhalt hatte zu Beginn der jeweilige 1. Vorsitzende des VzFB (Herr Heimers, Herr Berwanger und Herr Althans). Nach der Auflösung des VzFB wurde die Geschäftsführung im November 2011 von Herrn G. C. Althans an Herrn Dr. F.-J. Beck (Landesbildungszentrum für Blinde in Hannover) übergeben. Die redaktionelle Arbeit wird zurzeit vom Sozialreferenten des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV), Reiner Delgado, mit Unterstützung der Jugendreferentinnen des DBSV S. Welty und I. Witzke und ihrem Redaktionsteam geleistet. Auch Ihnen sei für diese ehrenamtliche Tätigkeit gedankt.


Ausgabe auch in Punktschrift

Wie geht es weiter? Dass die Brücke einen wichtigen Stellenwert bei den jungen blinden Menschen hat, ist unbestritten. Natürlich ist der Kreis der Papier-Brailleleser relativ klein, da viele blinde Menschen auf die elektronischen Medien zurückgreifen und manche Themen durch das Internet transportiert werden. Auch das Druckverfahren, das Papier und der Versand sind erhebliche Kostenfaktoren, dennoch ist es wichtig, einen Zugang zu Informationen ohne elektronische Unterstützung zu bekommen.

Das Lesen von Informationen muss auch dann möglich sein, wenn ein digitaler oder elektronischer Zugang für die Zielgruppe blinder Menschen nicht gewährleistet ist. Mit dem Erscheinen der Brücke wird ein wichtiger Bestandteil der Beteiligung blinder Menschen innerhalb einer inklusiven Gesellschaft erfüllt, wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention gefordert wird. Jeder Mensch muss die Möglichkeit haben, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten gleichberechtigt und vollständig an der Gesellschaft zu beteiligen beziehungsweise zu informieren.

Dies wird mit einer Papier-Zeitschrift in Brailleschrift wie die Brücke erreicht und wir hoffen, dass es noch viele Jahre so weiter geht. Mein Dank gilt auch allen anderen, die auch an der "Brücke" mitarbeiten.


Download 50 Jahre die Brücke_gemeinsam_4-2013 (mp3)

Dr. Franz-Josef Beck


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