.

Bericht vom Zukunftstag 2014

Seit 2006 bietet das Landesbildungszentrum für Blinde einen Zukunftstag an. Schülerinnen und Schüler erhalten bzw. erhielten hierbei einen Einblick in die unterschiedlichen pädagogischen Berufsfelder, in denen Angestellte des LBZB tätig sind. Dieser landesweit einheitlich festgelegte Arbeitstag dient dazu, Schülerinnen und Schülern von weiterführenden Schulen eine Möglichkeit zum Sammeln von Eindrücken, Erfahrungen und Informationen aus dem Berufsleben zu bieten.

Statistiken belegen, dass sich Mädchen sowie Jungen bei der Berufswahl aus 350 vorhandenen Ausbildungsberufen lediglich auf 10 typische Männer- bzw. Frauenberufe konzentrieren. Der Zukunftstag soll damit die Augen für andere Berufsfelder öffnen.

Sehr viel Wert wird daher an diesem jährlich stattfindenden Tag darauf gelegt, dass geschlechtsspezifische Spektrum bei der Berufswahl zu erweitern.

Wir haben uns seit nunmehr 3 Jahren dafür entschieden, den Zukunftstag (auch Girls Day oder Boys Day genannt) ausschließlich für Jungen anzubieten. Der Grund ist, dass in unserer Einrichtung zu 70% Frauen tätig sind, die Männer sind bisher unterrepräsentiert. Für eine wirklich gleichberechtigte Erziehung und Bildung der Schülerinnen und Schüler des Landesbildungszentrums für Blinde wären aber mehr männliche Pädagogen wünschenswert.

Auch in diesem Jahr konnten 10 Schüler von allgemeinbildenden Schulen unsere Einrichtung kennen lernen und in einzelne Berufe des LBZB schnuppern. Sie lernten einen Teil des Arbeitstages von Pädagoginnen und Pädagogen kennen und bekamen die Möglichkeit in Kleingruppen intensiv über die Berufe zu sprechen.

Kollegen des Internatsbereiches standen zur Verfügung, um den Beruf des Erziehers anschaulich zu erklären und Arbeitsweisen zu demonstrieren. Besonders gut gefiel den Jungs hierbei, dass sie ausprobieren durften, wie man geliftet wird und sie den Softplayraum und den Snoezelen-Raum nutzen durften.

Einigen Schülern wurde ermöglicht, den Beruf der Mobilitäts- und Rehalehrerin kennen zu lernen.

Mit viel Mut übten sie mit einer Augenbinde und Blindenstock unterschiedliche Wege zu gehen und erfuhren eine Menge darüber, wie sich ein blinder Mensch orientiert.

3 Jungen begleiteten einen Sportlehrer und waren erstaunt, dass nicht sehende Menschen kegeln können. Dass es eine Kegelbahn mit Sprachausgabe gibt, hätte sich keiner von ihnen vorstellen können.

Nachdem ein intensiver Einblick in die Arbeit mit behinderten und blinden Kindern und Jugendlichen gewonnen wurde, kamen alle Teilnehmer in einer Reflexionsrunde zusammen. Hier wurde das Erlebte thematisiert, besprochen und aufgearbeitet.

In jedem Jahr schließt ein anonym ausgefüllter Reflexionsbogen den Zukunftstag ab. Dieser Bogen hilft uns (den Veranstalterinnen) gezielter auf die Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen zu können und unser Angebot des Zukunftstages stetig verbessern zu können.

Bei der Auswertung stellte sich in diesem Jahr heraus, dass die Hälfte der Teilnehmenden, die Berufe und Arbeitsbereiche des Landesbildungszentrums für Blinde als eher frauentypisch empfindet. Als Begründung wurde genannt, dass sich Frauen eher in die Situation von behinderten Menschen einfühlen könnten. Im gleichen Atemzug konnten sich zum jetzigen Zeitpunkt nur 2 der 10 Jungen vorstellen, in Zukunft eine Arbeit oder Ausbildung im sozialen Bereich anzunehmen.

Alles in allem aber war für die meisten Teilnehmer hier im LBZB vieles neu und und auf jeden Fall interessant.

 

Spannend wird noch sein, wie sich die gemachten Erfahrungen auf die individuelle Einstellung zur Inklusion und den Umgang mit behinderten Menschen auswirken.

Durch den Zukunftstag glauben wir, den teilnehmenden Jungs ein umfassendes Bild von der Arbeit mit blinden und behinderten Menschen und den ein oder anderen Denkanstoß gegeben zu haben.

Allen Teilnehmern sei gedankt, denn schon allein die Fragen, die uns jährlich gestellt wurden, haben dazu geführt, uns und unsere Arbeit zu überprüfen, andere Sichtweisen einzunehmen und oft auch einen Perspektivwechsel zu vollziehen.

Es hat uns viel Spaß gemacht, den Zukunftstag zu gestalten und wir werden vieles, was die Zukunftstagsteilnehmer beschäftigt hat, mit in unsere Arbeit nehmen.

Ganz lieben Dank auch an unsere treuen Helfer und Helferinnen, die uns immer so verlässlich unterstützt haben!

Runa Tatge

Sabine Caspers


Dieser Artikel wurde bereits 6152 mal angesehen.



.