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Radeln und Reiten ohne zu sehen

Eine Tandem-Tour vom LBZB zur Alten Bult 

 

  zeigt die Gruppe der Tandemfahrer

Hannover, 21. Juni 2009. „Andreas ist unser Tretlager-Killer", meint Norbert Brietzke-Schäfer, Lehrer am Landesbildungszentrum für Blinde (LBZB) in Hannover. Kräftig in die Pedale seines schwarzen Tandems tretend, überholt der mutige junge Mann das Feld der insgesamt 10 Tandemteams auf dem entlang der Tiergartenstraße verlaufenden Radweg. Er lacht, seine Freude ist ihm trotz körperlicher Anstrengung anzusehen. Andreas ist mit Abstand der älteste und schwerste der blinden jungen Menschen, die an diesem Samstagvormittag zu einer Tandem-Tour im Süden Hannovers aufgebrochen sind. Mit Olaf Bödecker vom Lions Club Hannover-Tiergarten am Lenker hat er einen Piloten in der gleichen Gewichtsklasse gefunden. 

 

Wie in jedem Jahr ist die Tandem-Fahrt, die der Lions Club gemeinsam mit dem LBZB plant und durchführt eine besondere Attraktion für die blinden und meist mehrfachbehinderten Kinder und Jugendlichen vom LBZB. Lion Wolfgang Roth und Lehrer Brietzke-Schäfer haben die diesjährige Tour erkundet. Die Route führt, ausgehend von der Bleekstraße, zunächst einmal gegen den Uhrzeigersinn um Tiergarten und Hermann-Löns-Park. Nach einer Extrarunde um den Anna-Teich mit seinen unzähligen, recht zutraulichen Wildgänsen ist das erste Zwischenziel erreicht. Auf den Fundamenten der gerade demontierten alten Bockwindmühle im Löns-Park gibt es ein herzhaftes Frühstück, wird Kraft getankt für die nächste Etappe.

Alina besucht die siebte Klasse des Gymnasiums in Herzberg. Gerade hat sie als drittbeste Schülerin ihrer Klasse die Versetzung geschafft. „Mein großes Hobby ist Reiten", sagt das fast blinde Mädchen mit einem Sehrest von weniger als einem halben Prozent. „Früher durfte ich nur geführt, an der Longe, reiten, aber seit diesem Jahr darf ich auch alleine aufs Pferd." Ihre Vorfreude auf die nächste Station ist riesig.

 

  zeigt die Gruppe auf dem Weg zur ersten Reitrunde Bei strahlendem Sonnenschein geht die Fahrt weiter, von der Alten Mühle durch die Eilenriede bis zur Alten Bult. Am Reitstall Stollberg wird die Gruppe schon erwartet. Fünf Ponys sind schnell vorbereitet, zwei Reitgruppen eingeteilt und flugs geht es hinaus zur ersten Reitrunde über die Alte Bult. Natürlich hat sich Alina für die erste Gruppe gemeldet. Fachkundig befragt das Mädchen die junge Frau, die ihre Ponystute Dixie führt. Dunkle Wolken ziehen auf und mit den ersten Regentropfen erreicht die Gruppe wieder den Reitstall. Strömender Regen vertreibt die zweite Gruppe in den Reitstall. Nun ist Andreas an der Reihe und auch für ihn wird die Stute Dixie ausgesucht. Noch gut gelaunt sitzt er auf, aber schon kurz darauf verlässt ihn der Mut und er verzichtet aufs Reiten. Ohne zu zögern ergreift Alina ihre Chance und absolviert eine zweite Runde. 

 

Pünktlich zur Abfahrt reißt der Himmel auf. Die Sonne setzt sich durch, eine leichte Brise vertreibt die Wolken. Alle haben Hunger. Die nächste Etappe ist nur kurz. Im Biergarten Bischofshol gibt es Gegrilltes bevor die Gruppe zur Rückfahrt auf ihre Tandems aufsitzt. Noch einmal die Eilenriede durchqueren und schon kann man das LBZB schemenhaft hinter den Bäumen erkennen. Schnell auf der Holzbrücke über den Landwehrgraben, durch die Metzer Straße zur Bleekstraße, und pünktlich um 15:30 Uhr können die wartenden Eltern ihre Lieben wieder in Empfang nehmen. Die Tretlager haben übrigens alle durchgehalten.


(Uwe Mäurer)

 

 

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