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Praktikum sehr zu empfehlen

„Eine Riesenerfahrung“

Andreas Trupp hat vom 27.Februar bis zum 23. März bei den Städtischen Häfen in der Hansastraße ein vierwöchiges Praktikum absolviert. Er war dort nicht der erste Praktikant und wird nicht der letzte gewesen sein. Dennoch war seine Zeit dort eine ganz besondere – nicht nur für ihn, sondern auch für die KollegInnen, denn Andreas Trupp ist blind. Wie geht das praktisch? 168… hat nachgefragt. Am Gespräch haben außerdem Ute Munzke, Sachgebietsleiterin Geschäft und Personal, und Jörg Schrader aus der Personalstelle teilgenommen.

Andreas Trupp, 27, besucht das zweite Jahr der Berufsfachschule Wirtschaft des Landesbildungszentrums für Blinde und wird im Sommer seine Prüfungen ablegen.

Bildtext: Andreas Trupp, 27,besucht das zweite Jahr der Berufsfachschule Wirtschaft des Landesbildungszentrums für Blinde und wird im Sommer seine Prüfungen ablegen.



Herr Trupp, wie sind Sie dazu gekommen, sich bei den Städtischen Häfen für ein Praktikum zu bewerben?

A. Trupp: Beworben habe ich mich bei der Stadt Hannover, und meine Unterlagen wurden dann weitergeschickt. Ich wusste vorher schon, dass es in Hannover einen Hafen gibt, allerdings nicht, wie wichtig die Häfen für die Stadt sind, und auch nicht, wie viele Häfen – nämlich vier – es sind.

Inwieweit war es vorab ein Thema, dass Sie nicht sehen können, und welche Vorbereitungen mussten getroffen werden?

U. Munzke: Wir haben schon überlegt, ob und wie wir das Praktikum ermöglichen können, und es vorher mit den Kolleginnen und Kollegen besprochen. Es bestand schnell Einigkeit, dass wir es versuchen wollen.

A. Trupp: Es kostet mehr Betreuungszeit, denn es dauert manchmal länger, etwas zu erklären. Die technischen Hilfsmittel hat meine Schule zur Verfügung gestellt: die PC-Ausstattung mit einem Screenreader (Software JAWS – Job Access With Speach) „Sprachausgabe“ und einem Braille-Zeile-Gerät. Dieses Gerät in Verbindung mit der Software „übersetzt“ normale Schrift in die Brailleschrift. Dazu kam dann noch ein Scanner. Ich schreibe selbst ganz normal mit dem Rechner im Zehn- Finger-System. Schrift und Zahlen auf dem Bildschirm sind über das Gerät mit den Fingern lesbar. Problematischer sind Grafiken.

U. Munzke: Ja, oder zum Beispiel ein Stempel. Den kann die Software nicht ohne Weiteres erkennen.

Haben Sie leicht hergefunden? Rund um das Haus in der Hansastraße herrscht ja ein reger Lkw-Verkehr.

A. Trupp: Beim ersten Mal habe ich mir den Weg tatsächlich allein gesucht und mich auch bei VW verlaufen. Dann hatte ich ein Mobilitätstraining mit einer Orientierungs- und Mobilitätstrainerin meiner Schule, und danach war es kein Problem mehr.

Was waren Ihre Aufgaben, und in welche Abteilungen konnten Sie reinschnuppern?

A. Trupp: Ich habe ganz normale Schreiben erstellt und auch Briefe nach Diktat geschrieben. Dann habe ich mich mit Kostenabrechnungen, Versicherungsfällen und Schadensanzeigen befasst. Außerdem habe ich bei Besprechungen Protokoll geführt.

J. Schrader: Herr Trupp hat für uns nach Vorgaben zum Beispiel eine Excel- Tabelle erstellt. Er hat uns sehr gut zugearbeitet – wir haben ihn definitiv nicht geschont.

A. Trupp: Eigentlich war ich in allen Abteilungen: Im Sekretariat, in der Personalstelle, wo ich an Vorstellungsgesprächen teilnehmen durfte, in der Buchhaltung, bei den Immobilien, in der Technik, bei der EDV, in der Werkstatt und im Bahnbetrieb. Alles in allem war es eine Riesenerfahrung. Ich habe zwar schon andere Praktika gemacht, aber hier hat es mir am besten gefallen, denn ich wurde in alles einbezogen.

Was hat den größten Eindruck hinterlassen?

Das war die Fahrt mit der Lok! Ich durfte in die Steuerungskabine einsteigen und bin selbst ein paar Kilometer gefahren. Dabei standen die Steuerleute natürlich hinter mir.

Hat Ihnen das Praktikum für Ihren beruflichen Werdegang geholfen, und würden Sie es weiterempfehlen?

Ich beschäftige mich gern mit Technik und EDV und habe festgestellt, dass mir kaufmännische Dinge liegen. Daher werde ich versuchen, in diesem Bereich einen Ausbildungsplatz zu finden. Das Praktikum kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen – wenn ich darf (lacht).

Wir haben gehört, dass Sie Dauerkarteninhaber von Hannover 96 sind und auch schon bei dem einen oder anderen Auswärtsspiel dabei waren. Zum Schluss Ihr Tipp für den Tabellenplatz und Europa im nächsten Jahr?

Das ist schwer zu sagen, aber ich glaube schon, dass sie es schaffen können. Der siebte Platz reicht ja auch, und Heimstärke hat die Mannschaft bewiesen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: „168… - Zeitung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landeshauptstadt Hannover“

54. Ausgabe/Mai 2012


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