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Nachlese vom Theaterfestival Klatschmohn 2012

Die Theater-AG des Landesbildungszentrums für Blinde zeigte beim integrativen Theaterfestival Klatschmohn in der Cafete des LBZB und beim externen Auftritt im Gymnasium am Bötschenberg, am 19. Juli 2012 in Helmstedt, wieder ihr Können!



Herr Jungenkrüger, Oberstudiendirektor des Gymnasiums am Bötschenberg lädt die Theatergruppe aus dem Landesbildungszentrum für eine externe Theateraufführung ein. Durch den Hinweis einer Mutter, die das inklusive Theaterfestival in Hannover besucht hat, ist er auf uns aufmerksam geworden. Die Schule ohne Rassismus, auch „Europaschule“ genannt, verfolgt durch solche Projekte das Ziel, einen fairen Umgang mit Jugendlichen mit und ohne Handicap zu fördern und bei den Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit zu entwickeln, sich in verschiedene Lebenssituationen einzufühlen und so ein gelassenes, natürliches Miteinander entstehen zu lassen. Die Theatergruppe wurde von der Klassenlehrerin Frau Rybicki und den Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe herzlich empfangen.



Das Bild zeigt Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium am Bötschenberg gemeinsam mit der Theatergruppe vom LBZB


„Frühstück bei Tiffany“

 

Zum Inhalt:

Frühstück bei Stefanie ist eine Radio-Comedy-Serie des Norddeutschen Rundfunks um das fiktive Schlemmerbistro von Stefanie und ihren drei Gästen. Der Titel ist eine Anspielung an den im Jahre 1958 erschienenen Kurzroman „Frühstück bei Tiffany „ von Truman Capote, welcher 1961 mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle erfolgreich verfilmt wurde. So ist auch die Anfangsmusik der Serie eine Reminiszenz an die Frühstück-bei-Tiffany-Filmmusik Moon River.

In der Sendung diskutieren vier Alltagscharaktere in einem fiktiven kleinen Schlemmerbistro in Norddeutschland die Themen der Zeit. Außer Stefanie Prigge (genannt Steffi), der Inhaberin des Stehtischbistros, treten regelmäßig auf: Der besserwisserische vorzeitig pensionierte Postbeamte Georg Ahlers, der Profischnorrer und Lebenskünstler Udo Martens, der wieder bei seiner Mutter lebt, und der schwerhörige pyromanisch veranlagte Rentner (seit 1981) und Senior-Casanova Franz „Opa“ Gehrke, der nach dem Motto „Früher war sowieso alles besser!“ lebt. Immer mit dabei ist auch Steffis Hund „Rocky“ (ein „Urlaubsmitbringsel“ von 2001 aus einem Tierheim), und von Steffi mit Schmierkäse-Ecken und Mettbrötchen gefüttert wird.

Zum Spiel:

Die Akteure aus der Theater AG am Landesbildungszentrum für Blinde haben sich gemeinsam überlegt, wie die erfolgreiche Comedy Serie als Theatersketch für das diesjährige Projekt umgesetzt werden könnte. Schnell kamen sie zu der genialen Idee, zunächst das Stück umzubenennen. Es sollte „Frühstück bei Tiffany“ heißen. Den musikalischen Einstieg der Tiffany-Filmmusik „Moon River“ übernahm der Schüler Robin Langenberg an seiner Geige. Und dann wurden anhand der Bearbeitung von unterschiedlichen Persönlichkeiten die Rollenbiografien der Charaktere herausgearbeitet. Erst dann kam es zu den bestimmten Rollenwünschen der Akteure.

Als eingespieltes Moderatorenpaar wurde der Sketch von den Schülern aus dem Berufsvorbereitungsjahr (BvJ), Saskia Schwallich und Christian Dietze neuartig angekündigt. „Steffi“ wurde von Luisa Weber mit voller Hingabe und herausragender Leistung gespielt. „Opa Gehrke“ wurde von Sören Bromberg mit tonangebender und tatkräftiger Mitwirkung gespielt. Der Lebenskünstler „Udo Martens“ wurde mit dialektischer Aussprache und großem Einsatz von Robin Langenberg gespielt. „Georg Ahlers“ wurde grandios, unverwechselbar und mit echtem Talent von Christian Wöbse gespielt. Das Theaterstück wurde nicht nur beim Theaterfestival Klatschmohn erfolgreich aufgeführt, sondern auch bei Verabschiedungen von Mitarbeitern des LBZB und bei der externen Aufführung im Gymnasium am Bötschenberg in Helmstedt.

 

Das Bild zeigt Saskia Schwallich und Christian Dietze  beim Sketch Frühstück bei Tiffany_6. Juni 2012


Aufführung am 6. Juni 2012

 

Bei allen Auftritten wurde zum besonderen Anlass ein neues Thema gewählt, wie z.B. „Liebe“, „Verabschiedung“ oder „Sommerferien“. Hierbei zeigte sich durch das veränderbare und wandelbare „Improvisieren“ das echte und hochkarätige Talent der einzelnen Theaterspieler!


Das Bild zeigt Luisa Weber beim Sketch Frühstück bei Tiffany 6.  Juni 2012


Aufführung am 6. Juni 2012


Das Bild zeigt Robin Langenberg beim Sketch Frühstück bei Tiffany 6. Juni 2012
Aufführung am 6. Juni 2012


Das Bild zeigt Robin Langenberg, Louisa Weber, Monika Schröer, Christian Dietze, Saskia Schwallich, Christian Wöbse und Sören Bromberg bei der Aufführung am 6. Juni 2012

Auftritt am 6. Juni 2012 beim integrativen Theaterfestival



Hier wurde authentisch gespielt, was auch nötig war, da Requisiten nur dürftig und sparsam eingesetzt wurden. Und trotzdem gab es einen, der noch mehr beeindruckte als alle anderen: „Christian Wöbse“: Wie er sich in seiner Rolle als „Georg Ahlers“ fand und darin aufging - das ist große Schauspielkunst!

Was bedeutet für mich in diesem Zusammenhang „Inklusion“? Jeder Mensch erhält die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.


Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an theaterpädagogischen Projekten. Fast zehn Prozent der Deutschen haben offiziell eine Behinderung - von einer wesentlich höheren Dunkelziffer ist auszugehen. Im Alltag nimmt man sie eher selten wahr: Menschen, die im Rollstuhl fahren, sich mit Blindenstock orientieren oder in Gebärdensprache unterhalten. Noch unauffälliger sind Behinderungen, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Wer zum Beispiel Lernschwierigkeiten hat oder mit Depressionen kämpft, geht in unserer Gesellschaft schnell unter oder wird gar ausgegrenzt. Ein wirkliches Leben in der Gesellschaft ist für viele Menschen mit Behinderungen nicht immer möglich.


Um „Inklusion“ vor Ort erlebbar zu machen, ist es wichtig, dass sich möglichst viele Akteure aus unterschiedlichen Bereichen an dem dafür notwendigen gesellschaftlichen Veränderungsprozess beteiligen und sich aktiv dafür einsetzen, dass Menschen - unabhängig von ihrer körperlichen, seelischen oder sozialen Situation - die vollständige und gleichberechtigte Teilhabe an entscheidenden gesellschaftlichen Prozessen ermöglicht wird.


Bereits jetzt gibt es zahlreiche Akteure aus den Schulen, Gesellschaft und Medien, die mit guten Ideen und ersten Beispielen aus der Praxis diesen Veränderungsprozess mit gestalten.


Am Ende gehörte „allen Akteuren der Theater AG“ zu Recht der Applaus des Publikums. Die ½-jährige Arbeit an diesem Stück hat sich gelohnt. Die Erleichterung war groß, denn es kostet viel Arbeit, Zeit und Nerven, solch eine tolle Leistung präsentieren zu können. Schade nur, dass die Theatergruppe jetzt auseinandergeht, da alle Schauspielerinnen und Schauspieler bald andere Wege gehen. Doch wie sagte Hermann Hesse so schön: „Jedem Anfang wohnt ein neuer Zauber inne“. Freuen wir uns also auf den nächsten Zauber!


Monika Schröer,  im Juli 2012

 





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