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Der Ohring e.V. im Landesbildungszentrum für Blinde und beim Deutschen Hilfsmittelvertrieb (DHV)

Landesbildungszentrum für Blinde - Hannover

Hallo liebe Ohrringhörer, ich begrüße Sie im neuen Jahr recht herzlich!

 

Ich möchte Ihnen in diesem Monat von einem Besuch in Hannover berichten, den ich unserem langjährigen Hörer, Herrn Jurkat verdanke. Im Anschluss an eine kleine Herbstreise zu den Hei-deklöstern Niedersachsens fuhr ich nach Hannover, um eine Anregung von Herrn Jurkat auf zu greifen..

 

In Hannover-Kirchrode in der Bleekstraße liegen auf einem großen Areal Einrichtungen, deren Anliegen es ist, blinden und schwer sehbehinderten Menschen zu helfen.

 

Als erstes machte ich einen Besuch beim Deutschen Hilfsmittelvertrieb, abgekürzt DHV, einer Firma, die Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte vertreibt. Außer den Lagerräumen für den Versandhandel kann man hier in einem großen Schauraum die vielen Hilfsmittel betrachten und wird sehr freundlich und eingehend über Gebrauch und Funktion der einzelnen Gegenstände informiert. Da ich eine schwer sehbehinderte Freundin habe, interessierten mich vor allem die vielen sprechenden Geräte: Uhren , Wecker, Fieberthermometer, Haushaltswaagen und Blutzuckermesser; alle geben auf Knopfdruck ihre Antworten mit deutlicher, freundlicher Stimme. Ausgestattet mit vielen Informationen über den Bestellweg und mit einem dicken Katalog unter dem Arm setzte ich meinen Weg in der Bleekstraße fort.

 

( Hier schon einmal die Telefonnummer für den Vertrieb in Hannover: 0511 für Hannover und dann die 95465-32 bis 35.) Gewiss kennen auch Sie, liebe Hörer, Geschäfte über die man Hilfsmittel beziehen kann, aber die Anforderung dieses Katalogs erscheint mir für jeden hilfreich.)

 

Gleich bei meinem ersten Anruf beim DHV bekam ich den Rat, doch auch das Landesbildungs-zentrum für Blinde auf dem gleichen Areal zu besuchen. Schnell war über das Telefon des dorti-gen Schulbüros ein Besuchstermin vereinbart, den ich nun wahrnehmen wollte. Beeindruckend war schon der erste Blick auf den gewaltigen Gebäudekomplex, der 1919 bezogen wurde. Wie eine kleine Stadt empfängt er den Besucher. Straßen, Grünanlagen und ein- bis dreistöckige weiße Häuser mit leuchtend roten Dächern beherbergen die unterschiedlichsten Institutionen, die sich alle um das Wohl von blinden und schwer sehbehinderten Menschen kümmern. Auf einem späteren Rundgang erläuterte Herr Petersen ihre Funktionen.

 

Von ihm wurde ich schon erwartet. Er gehört zu dem dreiköpfigen Leitungsgremium des Lan-desbildungszentrums für Niedersachsen. Bei einer Tasse Kaffee bekam ich auf fast all meine Fra-gen eine kompetente Antwort. Zu speziellen Fragen wurde zu weiteren Klärung Frau Gierth zu uns gerufen.

 

So erfuhr ich viele wissenswerte Einzelheiten zur Betreuung und Beschulung Blinder und Sehbe-hinderter. Schon sehr früh beginnt die Beratung der Eltern sehgeschädigter Kinder. Ähnlich wie auch bei uns in Schleswig-Holstein wird dabei in Niedersachsen dezentralisiert gearbeitet und die Kinder am Wohnort betreut oder später sogar beschult. Doch hier in Hannover gibt es auch die Möglichkeit, die Kinder vor Ort in eine spezielle Förderschule zu schicken. Sollte die tägliche Anreise zu beschwerlich sein, können diese Kinder auch im Internat auf dem Gelände wohnen und umsorgt werden.

 

Nach dem Abschluss der Regelschulzeit können die Schüler eine Berufsausbildung im LBZB an-schließen. Nach intensiver Eignungsberatung ist eine Ausbildung zur Kauffrau/Kaufmann für Bürokommunikation, zur staatlich geprüften Hauswirtschaftshelferin oder zum Call-Center-Kontakter möglich. Diese Ausbildungen werden in der Theorie von Berufschullehrern in normalen Klassenräumen durchgeführt und in der Praxis in Räumen mit blindengerechten Arbeitsplätzen.

 

Da mich der kaufmännische Bereich, in dem auch häufig spät erblindete Umschüler ausgebildet werden, besonders interessierte, zeigten mir Herr Petersen und Frau Gierth bei einem Gang über das Gelände diese Arbeitsräume. Sehr aufgeschlossen berichteten erwachsene Schüler von ihrer Arbeit im Lernbereich. Ich war fasziniert von der Schnelle und Sicherheit, mit der sie ihren PC bedienten, sich mit ihrem Computer unterhielten. Meine Hochachtung vor diesen jungen blinden Menschen wuchs während des Gesprächs von Minute zu Minute. - Da mein technisches Wissen auf diesem Gebiet sehr gering ist, wird Ihnen, liebe Hörer, Frau Zekorn im kommenden Monat in ihrer kompetenten Art so einen Arbeitsplatz mit einem sprechenden Computer erklären.

 

Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich auch Interessantes über die Vermittlung der hier ausgebildeten Kaufleute für Bürokommunikation. Stellt ein Betrieb, meist ist es eine Behörde, einen blinden Kaufmann für Bürokommunikation ein, bekommt dieser seinen blindenspezifischen Arbeitsplatz "mitgeliefert". Auch bei der Finanzierung dieser sehr teuren Arbeitsplätze gibt das Landesbildungszentrum Hilfestellung. Finanziert werden diese Arbeitsplätze unter anderem aus der Abgabe jener Betriebe, die keine behinderten Arbeitnehmer einstellen.

Dass die meist schwierige Vermittlung der Absolventen häufig über private Kontakte zustande kommt, konnte ich bei meinem Besuch auch erleben. Am Morgen dieses Tages hatte Herr Petersen einen Anruf von einem ehemaligen blinden Schüler erhalten, der für die Telefonvermittlung einer Einrichtung eine passende Person suchte. So erlebte ich mit, wie im Gespräch mit Frau Gierth intensiv über einen passenden Kandidaten nachgedacht wurde.

 

Mein Besuch von zwei Stunden reichte leider nicht aus, um alle Institute zu besichtigen. So mussten wir z.B. Wohnheim und Unterrichtsräume jüngerer Schüler auslassen. Aber ein Besuch in der Medienzentrale war noch möglich. Hier empfing uns Frau Steinhorst, die mit großem Eifer über ihre und die Arbeit ihrer Kollegen berichtete und uns von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz führte. Wieder überraschte mich die Kompetenz und Sicherheit, die diese Mitarbeiterin ausstrahlte.

 

Die Hauptaufgabe der Medienzentrale ist die Übersetzung von Unterrichtsbüchern in Blinden-schrift. Lehrer und Lehrerinnen aus ganz Niedersachsen melden zum Schuljahrsbeginn ihre Wünsche an. Oft kann das gewünschte Unterrichtsexemplar aus dem reichhaltigen Archiv ausgeliehen werden. Ist es dort nicht vorhanden, wird es neu erstellt. Seit einigen Jahren wird in Hessen an einem bundesweiten Datenpool gearbeitet. Durch ihn vereinfacht sich die Beschaffung von Materialien in den einzelnen Bundesländern erheblich. Frau Steinhorst hätte gewiss noch gerne viel Interessantes zu ihrer Arbeit erzählen wollen, doch leider war die Besuchszeit schon überschritten.

 

Mein Dank für diese lehrreichen Stunden geht vor allem an Herrn Petersen und sein Team. Ich hoffe, dass auch für Sie, liebe Hörer, etwas dabei war, das Sie interessiert hat - und - freuen Sie sich schon auf die Begegnung mit dem sprechenden Computer im nächsten Monat.

 

Zur Homepage:DER OHRRING e.V.

 

 

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