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Mein 6er im Lotto

Mit meiner stark eingeschränkten Sehfähigkeit absolvierte ich im Landesbildungs-zentrum für Blinde Hannover das Berufsvorbereitungsjahr. Diesem folgte die zweijährige Berufsfachschule Wirtschaft. Anschließend war ich mir noch nicht so sicher, was ich als fast blinder Mensch später arbeiten möchte. Somit absolvierte ich die BVB-Maßnahme. In dieser fand ich für mich heraus, was ich später arbeiten wollte.


Im August 2010 begann ich die überbetriebliche Ausbildung zum Büropraktiker. Während dieser Ausbildung standen mir die Lehrer aus Berufsschule sowie meine Ausbilderin mit Rat und Tat zur Seite.


Im letzten Ausbildungsjahr absolvierte ich ein Praktikum bei der Landeshauptstadt Magdeburg. Ich hatte das Glück, dieses Praktikum im Fachbereich „Schule und Sport“ machen zu können. Unterstützt wurde ich von netten und hilfsbereiten Mitarbeiter-innen und Mitarbeitern der Stadt Magdeburg. Während des Praktikums lernte ich die Struktur der öffentlichen Verwaltung kennen. Weiterhin befasste ich mich mit dem Thema Sprachstandsfeststellung bei Kleinkindern, die kurz vor der Einschulung waren. Auch habe ich Aufträge geschrieben, in denen es darum ging, wie z.B. Schulen mit PC, Technik und Sportgeräten versorgt werden. Weiterhin erstellte ich Serienbriefe, die auf eine Excel-Datenbank zurückgreifen.


Innerhalb des Praktikums hatte ich Kontakt zur Schwerbehindertenvertretung der Landeshauptstadt Magdeburg, die mich auch während des Praktikums unterstützt hatte. Ich legte den Grundstein, auf den ich nach der Ausbildung bauen wollte. Die Praktikumszeit gefiel mir so gut, dass ich sehr traurig war, als diese zu Ende ging. Beim Praktikumsgespräch lobte man meinen Fleiß sowie meine Arbeitsbereitschaft.


Im Juli 2012 bestand ich die Abschluss-prüfung mit IHK-Abschluss mit der Note „gut“.

Während und nach dem Praktikum war ich im ständigen Kontakt mit der Stadtver-waltung. Ich erfuhr, dass eine Stelle im öffentlichen Dienst frei ist, auf die ich mich nach Ende der Ausbildung beworben habe. Kurze Zeit später bekam ich die Zusage.


Mit großer Freude unterschrieb ich den unbefristeten Arbeitsvertrag als Mitarbeiter bei der Stadt Magdeburg.

Zu meinen bisherigen Aufgaben gehören vielseitige Tätigkeiten wie z.B., das Telefonbuch der Stadtverwaltung von insgesamt 140 Seiten neu und barrierefrei zu erstellen. Dieses wird heute von ca. 3.000 Mitarbeitern der Stadt genutzt.


Weiterhin erhielt ich die Möglichkeit in der Arbeitsgruppe „barrierefreies Magdeburg“ mitwirken zu können. Ich selber bin so froh und glücklich, dass ich es selber noch nicht fassen kann, dass sich sogar ab 2014 mein Vertrag ändert und ich dadurch mehr Geld verdienen kann. Es ist ein beruhigendes Gefühl, für sich selbst sorgen zu können.


Und das ist für mich ein „6er im Lotto“. Ich bin sehr dankbar dafür, da ich weiß, dass dieser nahtlose Übergang keine Selbstverständlichkeit ist.


Ich kann gut verstehen, dass einige Auszubildenden Angst haben und sich mit den Fragen beschäftigen, wie es nach der Ausbildung weiter gehen kann. Daher drücke ich allen Auszubildenden die Daumen nach der Ausbildung schnell eine Anstellung zu finden.


Oktober 2013

ehemaliger Auszubildender Marcel Simon


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