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Thesen zur geeigneten Mathematikschrift für Blinde am PC bei der Integration blinder Schülerinnen und Schüler an allgemein bildenden Schulen

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I. Prämissen (Thesen 1-3)

  1. Der Blinde lebt in einer Welt von Sehenden, also muss er sich soweit wie möglich diesen anpassen, insbesondere wenn er mit ihnen schriftlich kommunizieren will. Die zusätzliche Leistung der sehenden Kommunikationspartner ist auf ein unvermeidbares Maß zu beschränken.
  2. Hinsichtlich der Kommunikationsmöglichkeiten von Blinden sind Insellösungen zu vermeiden und zwar sowohl die Isolierung der Blinden von den Sehenden als auch die Entstehung untereinander nicht kommunikationsfähiger Teilgruppen von Blinden.
  3. Zentrales Hilfsmittel der schriftlichen Kommunikation ist der PC.

    II. Entscheidungen 1) (Thesen 4-6)
  4. Blindentechniken müssen erhalten bleiben. Die Fähigkeit, alle in der Marburger Systematik verfassten Materialien, einschließlich der in deutscher und englischer Kurzschrift, Mathematikschrift und Musikschrift verfassten, lesen zu können, wird fortentwickelt.
  5. Das Bedienen der Punktschrift-Maschine tritt in den Hintergrund zugunsten einer Perfektionierung des Umgangs mit dem Computer. Lediglich die Musiklehrer fertigen selbst Noten-Vorlagen mit der Punktschrift-Maschine an.
  6. Bei der Abwägung, welche Schrift auf dem Computer im mathematisch-naturwissenschaftlichen Aufgabenfeld eingesetzt wird, fällt die Entscheidung zugunsten von LaTeX.
    6.1
    In der Kommunikationsrichtung vom Sehenden zum Blinden wurden AMS und LaTeX als gleichwertig beurteilt, denn beide Schriften schienen einen vergleichbaren Aufwand an Anpassung des Sehenden an den Blinden zu erfordern.
    6.2
    Die Kommunikationsrichtung vom Blinden zum Sehenden gab dann den Ausschlag zugunsten von LaTeX , weil das Schriftbild auf dem Monitor in beiden Systemen eine vergleichbare Eingewöhnung der Sehenden zu erfordern schien, die Einführung von LaTeX aber mit dem Idealziel "Der Blinde liefert einen flächigen Ausdruck und kann sich einem beliebigen Sehenden vermitteln" aufgenommen werden konnte.
    6.3)
    Für den Einsatz von LaTeX sprach, dass es weltweit verbreitet ist, es ein in sich geschlossenes System darstellt und an Universitäten von Sehenden genutzt wird.

    III. Bilanz (Thesen 7-10)
  7. Die Kombination aus Punktschrift-System und LaTeX hat sich bewährt, denn unsere blinden Schüler sind in der Lage, sich mit diesen erworbenen Kenntnissen auf alle Systeme einzustellen (Durchlässigkeit).
  8. Hauptproblem war und bleibt, dass LaTeX die Unterstützung durch einen Assistenten nötig macht, der die Syntaxfehler korrigiert, bevor der flächige Ausdruck erstellt wird.
  9. Als günstig für den Mathematikunterricht hat sich die stringente Systematik von LaTeX herausgestellt. Nach Information über die Grundregeln und mit wenigen Vokabeln können Sehende (Lehrer, Mitschüler, Zivildienstleistende) die Schrift auf dem Monitor verstehen. Die blinden Schüler halten anhand ihrer schriftlichen Ausarbeitungen Vorträge, die von den Sehenden problemlos in ein Tafelbild umgesetzt werden können.
  10. LaTeX hat sich bis jetzt (Jahrgangsstufe 13) im Unterricht bewährt, auch für Sehende unübersichtliche Darstellungen oder bei den Vorüberlegungen Bauchschmerzen bereitende Schreibweisen konnten innerhalb der LaTeX-Syntax gut bewältigt werden. Einerseits fanden die Lehrer jeweils Problemlösungen, die die Schüler andererseits in die Lage versetzten, die Übersicht über ihre mathematischen Texte zu behalten. Allerdings stellen uns einzelne Lösungen nicht völlig zufrieden.

1) getroffen vor und im Verlauf der integrativen Beschulung in Uelzen

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